DALL·E 2023 12 08 18.35.59 Create an image for a blog post discussing the regulation of laboratory work with biological substances of risk group 2. The image should depict a mod

Dürfen in einem Labor für gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2 nicht räumlich getrennte Büroarbeitsplätze (also Plätze für Schreib- und Dokumentationstätigkeiten, Literaturrecherche oder Versuchsplanung) eingerichtet werden?

Die Grundlage für das Arbeiten mit biologischen Arbeitsstoffen stellt die „Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen“, oder auch kurz Biostoffverordnung (BioStoffV) genannt, dar. Diese Verordnung gilt für Tätigkeiten mit sogenannten Biostoffen (Biologische Arbeitsstoffe). Sie regelt Maßnahmen zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten vor Gefährdungen durch diese Tätigkeiten.

Im Anhang II „Zusätzliche Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in Laboratorien und vergleichbaren Einrichtungen sowie in der Versuchstierhaltung“ sind zusätzliche Schutzmaßnahmen für Laboratorien nach Schutzstufe tabellarischen aufgeführt. Zur Beantwortung der oben gestellten Frage werden exemplarisch folgende Schutzmaßnahmen in Laboratorien mit gezielten Tätigkeiten der Schutzstufe 2 beschrieben.

  1. Es wird empfohlen, dass Schutzstufen 2-Bereiche von anderen Schutzstufen- oder Arbeitsbereichen in demselben Gebäude abzugrenzen sind.
  2. Bei humanpathogenen Biostoffen ist der Zugang mittels Zugangskontrolle zu beschränken.
  3. Es ebenfalls verbindlich, dass kontaminierte Prozessabluft nicht in andere Arbeitsbereiche abgegeben werden darf.

Zur spezifizierten Analyse kann hier auch die Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe (TRBA 100) 100 „Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien [GMBI Nr. 15 02.05.2018] zu Rate gezogen. Die TRBA 100 gilt für alle gezielten und nicht gezielten Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien.

In der TRBA 100 wird auch der Begriff „Laboratorien“ im Punkt 3.3 genauer definiert. Hierbei sind Laboratorien Räume, in denen Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen zu Forschungs-, Entwicklungs-, Lehr- oder Untersuchungszwecken z.B. in der Human-, Veterinärmedizin, Biologie, Biotechnologie, bei der Erzeugung von Biologika, der Umweltanalytik und der Qualitätssicherung durchgeführt werden. Der Begriff umfasst auch Funktionsräume wie Bruträume, Zentrifugenräume, Kühl- oder Tiefkühlräume sowie Räume zur Inaktivierung biologischer Arbeitsstoffe, wenn hier Tätigkeiten im Sinne von § 2 Absatz 7 BioStoffV durchgeführt werden.

Für die Beantwortung der Frage, ob Laborarbeitsplätze mit gezielten Tätigkeiten der Risikogruppe 2 und Arbeitsbereiche ohne Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen zusammen eingerichtet werden dürfen, kann der Punkt 5.3 „Schutzstufe 2“ der TRBA 100 betrachtet werden.

In diesem Absatz werden die Schutzmaßnahmen der Schutzstufe 2 zur Vermeidung einer Exposition der Beschäftigten gegenüber biologischen Arbeitsstoffen, die eine Infektionskrankheit beim Menschen hervorrufen können, beschrieben. Zwei bauliche bzw. technische Schutzmaßnahmen müssen bei der Frage betrachtet werden.

Punkt 1) Laboratorien müssen aus ausreichend großen Räumen bestehen, die gegenüber anderen Räumen und Nutzungsflächen baulich abgegrenzt sind, in denen keine Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ausgeführt werden. Daher müssen nicht unmittelbare Tätigkeiten, die nicht mit den biologischen Arbeiten zu tun haben, räumlich getrennt sein. Versuchsdokumentation kann bei richtiger Risikoanalyse und Gefährdungsbeurteilung und daraus resultierenden Maßnahmen erlaubt sein, Literaturrecherche oder Versuchsplanungen jedoch nicht.

Punkt 8) Kontaminierte Prozessabluft darf nicht unbehandelt in den Arbeitsbereich abgegeben werden. Sie muss durch geeignete Verfahren wie Filtrierung oder thermische Nachbehandlung dekontaminiert werden. Abgrenzungen von Labortätigkeiten und Arbeitsbereichen verhindert eine Durchmischung der Raumluft.

Zudem gibt es noch die organisatorische Schutzmaßnahme:

Punkt 11) Die Zahl der Zugangsberechtigten ist auf benannte Beschäftigte zu beschränken. Andere Personen dürfen den Schutzstufenbereich nur mit Erlaubnis des/der Verantwortlichen betreten. Hier wird beschrieben, dass nur Personen, die direkt gezielte Tätigkeiten mit Biostoffen innerhalb der Schutzstufe 2 durchführen, sich im Laborbereich aufhalten dürfen. Zur Minimierung von Infektionen oder anderer Gefährdungen muss der Zugang auf fachkundige Personen beschränkt sein.

Abweichungen vom technischen Regelwerk können vom Arbeitgeber eigenverantwortlich durchgeführt werden, wenn die Sicherheit durch alternative Maßnahmen auf andere Weise gewährleistet ist. Hierfür bedarf es vor Beginn von Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen eine Gefährdungsbeurteilung nach § 4 BioStoffV, die fachkundig durchzuführen und zu dokumentieren ist.

Bei Fragen zu Biostoffen, Gefahrstoffen, Laboratorien oder Gentechnik, dann sind wir genau die richtigen Ansprechpartner.